Führungskräfte stellen immer öfter die Sinnfrage

Silvia Eggenweiler, Partner bei Odgers Berndtson und Leiterin des Manager-Barometers 2020/2021. Quelle: Odgers Berndtson, Frank Blümler.

Manager wie Mitarbeitende stellen immer häufiger die Frage nach der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns sowie des Unternehmens, für das sie arbeiten, wie das neue Manager-Barometer 2020/2021 von Odgers Berndtson ergeben hat. Diese „Purpose“-Debatte wird durch die anhaltende Coronakrise noch weiter verstärkt. So hat die Sinnhaftigkeit der Aufgabe als Motivator für die weitere Karriere stark an Bedeutung gewonnen, wie die über 2.000 ManagerInnen in der diesjährigen Befragung bestätigen, welche die internationale Personalberatung bereits zum 10. Mal in Folge in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt hat. Für besonders wichtig hält die Mehrheit der Führungskräfte den Purpose eines Unternehmens darüber hinaus bei der Arbeitgeberwahl sowie für die Bindung und Begeisterung von Mitarbeitenden.

Zwar belegt der „Einsatz der persönlichen Stärken und Begabungen“ mit 62,1 Prozent auch in diesem Jahr Platz 1 unter den Karrieremotivatoren, jedoch hat die „Sinnhaftigkeit der eigenen Aufgabe“ stark aufgeholt und liegt mit 57,5 Prozent mittlerweile direkt dahinter auf dem 2. Rang. In den Vorjahren belegte diese nur Rang vier oder fünf. „Wir beobachten schon seit einiger Zeit, dass Manager wie Mitarbeitende immer häufiger die Frage nach dem `Purpose´ des Unternehmens stellen. Sie messen diesem eine zunehmend hohe Bedeutung für den zukünftigen Erfolg des Unternehmens bei,“ kommentiert Silvia Eggenweiler, Partner bei Odgers Berndtson und Leiterin des diesjährigen Manager-Barometers. „Die Coronakrise hat diesen Trend noch weiter verstärkt.“

„Purpose“ eines Unternehmens unter Führungskräften bereits weit verbreitet

Um die Sinnfrage befriedigend zu beantworten, stellen immer mehr Unternehmen ihren Purpose heraus. Dieser definiert den tieferen Sinn und Zweck eines Unternehmens, ist seine Daseinsberechtigung, die über die reine Gewinnerzielung hinausgeht und sowohl für die Stakeholder eines Unternehmens als auch für die Umwelt und Gesellschaft einen Mehrwert schafft. 54,6 Prozent der teilnehmenden Führungskräfte geben an, dass ihr Unternehmen einen solchen Purpose besitzt, 80 Prozent dieser Teilnehmer können den Purpose ihres Unternehmens sogar benennen. „Das Thema Purpose ist unter Führungskräften bereits überraschend stark verbreitet“, sagt Silvia Eggenweiler. „Unsere Befragung zeigt jedoch auch, dass der Unternehmens-Purpose vor allem bei Führungskräften in Großunternehmen präsent ist und dass dessen Bekanntheit parallel zur Hierarchieebene abnimmt. Bei Führungskräften in mittelständischen Unternehmen sowie bei Mitarbeitenden ohne Führungsverantwortung besteht also noch Erklärungsbedarf,“ so die Beraterin.

Sinnfrage vor allem für die Gewinnung und Bindung von Führungskräften relevant

Sinnstiftende Faktoren, wie die zur eigenen Person passende Unternehmenskultur (75,1 Prozent), die Innovationsfähigkeit des Unternehmens (43,3 Prozent) und ein Unternehmens-Purpose, mit dem man sich identifizieren kann (41,1 Prozent), haben bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers eine zunehmend hohe Bedeutung für die ManagerInnen. Andere Rahmenbedingungen, wie das ortsunabhängige Arbeiten oder die Marktposition des Unternehmens treten im Vergleich zu den Vorjahren deutlich in den Hintergrund. Zudem halten Führungskräfte den Purpose für die Bindung und Begeisterung von Mitarbeitenden sowie für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen für enorm wichtig (je 50 Prozent). „Dies gilt insbesondere für die Attraktivität und Bindung von Top-Talenten, wie unsere Befragung zeigt“, erläutert Eggenweiler und ergänzt: „Unternehmen sollten verstärkt in ihren Purpose investieren und diesen konsequent vorleben, um auch in Zukunft die besten Köpfe für sich zu gewinnen.“